Grundlegendes

So unterschiedlich wie die Clans der Kontinente Vitadons doch sind, in einigen Punkten teilen sie sich dieselben Mythen. So kennen alle Clans dieselben Götter und überall kennt man die Geschichte von den Sternenschiffen, mit denen die Götterkinder auf diese Welt kamen, die für sie von den Urkräften geschaffen wurde.

Aber eins nach dem anderen.

Wir befinden uns auf dem Planeten Vitadon – eine Welt, die etwas größer als die Erde ist und von zwei Monden umkreist wird. Tief im Inneren des Erdreich liegt eine dichte Schicht aus psychoaktivem Kristall, dem sogenannten Psi-Kristall, der dem Planeten eine Art schlummerndes Bewusstsein gibt – genährt von den Träumen und Gedanken der Lebewesen, die auf ihm herumspazieren. Im Laufe der Äonen wurde viel von diesem Kristall Schicht um Schicht von den Winden der Urzeit, als das Universum noch im Chaos war, abgetragen und es bildete sich ein Ring aus Kristallstaub um den Planeten. Wenn die Sonne im richtigen Winkel steht, kann man ihn von der Planetenoberfläche aus als schillernde Bahn erkennen, die sich über das Himmelszelt zieht. Die Menschen der alten Welt bezeichneten diese Strecke als die Götterbahn und man vermutete, dass sie die Brücke in die himmlischen Reiche wäre. Wenn die Sonne gen Horizont verschwindet, reflektiert der Kristall das Licht und bricht es prismatisch, was in einem prächtigen Farbenspiel über den gesamten Himmel resultiert. Statt einer “blauen Stunde” gibt es auf dem Vitadon einen Zeitraum zwischen Tag und Nacht, in dem die Welt in ein farbiges Zwielicht getaucht wird.

Eine verwirrende Vielzahl von exotischen Pflanzen und Tieren bevölkert die Berge, Täler, Wälder, Wüsten und Steppen des Vitadon. Denkende Bäume mit psionischen Kräften, über Pheromone kommunizierende Chameleon-Wesen, Kristallpilze, die in großer Zahl Bewusstsein und Intelligenz erlangen können, insektoide Reittiere mit eisenharten Panzern und viele Tiere, die uns auf den ersten Blick vertraut vorkommen, auf den zweiten jedoch etwas völlig anderes sind, als ihr irdisches Gegenstück.

Ähnlich verhält es sich mit den Menschen dieser Welt. Äußerlich mögen sie uns zunächst ähneln, aber schon beim zweiten Blick zerbricht die Illusion des Vertrauten. Die Menschen des Vitadon sind tendenziell größer und kräftiger als die Menschen unserer Welt. Ihre Augen sind mit einem feinen Film überzogen, der in einer der Regenbogenfarben glänzt und die Iris sowie die Pupille vollständig verbirgt. Mit diesen Augen können die Vitadonier auch bei schwierigen Lichtverhältnissen noch sehr viel besser sehen als wir.
Der eigentlich wirklich gravierende Unterschied ist jedoch die Gesellschaftsform der Vitadonier. Die menschlichen Völker des Vitadons sind in Clans gegliedert, die sich durch sehr spezifische Eigenschaften voneinander unterscheiden. Ein Clan ist ein gewaltiger Verband aus Familien und Gleichgesinnten – ein Volk und das beste Äquivalent zu dem, was wir als ein Volk verstehen.

Ein Clan ist in Kasten aufgeteilt, die wiederum bestimmte Aufgaben übernehmen. Ein wenig erinnert die Organisation eines Clans an einen Ameisenstaat – jeder hat seine Funktion und Aufgabe. Eine Kaste ist mehr als eine Wahl in einen bestimmten Stand – man kann sich nicht aussuchen, in welcher Kaste man landet. Man wird als das Mitglied einer Kaste geboren, da sich die Kasten auch genetisch voneinander unterscheiden. Jede Kaste ist ihre eigene Variation der Spezies Mensch, aber alle Kasten tragen den kompletten genetischen Code aller Kasten in sich – einzig welche “Bits” auf der DNA gesetzt sind, entscheidet darüber, welche Kaste man ist. So können die Mitglieder zweier verschiedener Kasten ein Kind einer wiederum komplett anderen Kaste zur Welt bringen. Erst durch spezielle Ausbildungswege, wird das Mitglied einer Kaste zu einer “Inkarnation” – einer hochspezialisierten Elite-Einheit des Clans, die eine spezifische Aufgabe übernimmt, die nur von jemandem aus der jeweiligen Kaste übernommen werden könnte.

Wer keiner Inkarnation zugehört, fällt gemeinhin unter den Sammelbegriff “Arbeiter”. Diese Menschen sind am ehesten mit uns und unseren Fähigkeiten vergleichbar. Das Wort “Arbeiter” mag für uns negativ behaftet wirken, aus Sicht der Vitadonier ist es jedoch ein Titel, der mit Stolz getragen wird. Immerhin ruht der gesamte Clan-Mechanismus auf den Schultern dieser Kaste und sie sind die zahlenmäßig stärkste Kaste auf dem Planeten.
Während die Arbeiter zahllose Tätigkeitsfelder füllen und ihre Schicksale frei wählen, sind die Mitglieder der Inkarnationen für eine spezifische Aufgabe geschaffen und trainiert. Kinder, die das Potenzial für das Inkarnationstraining zeigen, werden recht früh in ihrer Kindheit vom Elternhaus getrennt und in die dauerhafte Obhut der jeweiligen Akademie gegeben. In den meisten Fällen bleibt das Familienband bestehen und die Eltern besuchen ihre Kinder, wann immer möglich. Jedoch gibt es kein bindendes Familienelement (wobei das von Clan zu Clan variieren kann). Eine Familie hat so lange gesetzlichen Bestand, wie es Kinder zu versorgen gibt. Alles andere wird vom Clan durch eine Vielzahl anderer Prozesse gemeinschaftlich gelöst.
Diese Vorgehensweise ergibt Sinn – spätestens wenn ein kleiner Begabten-Steppke laufen kann und seine psychokinetischen Kräfte entdeckt, wären seine Soldaten- oder Proto-Eltern hoffnungslos mit ihm überfordert. Ein potenzielles Psi-Weber-Kind, das seine Kräfte nicht unter Kontrolle hat und während eines Alptraums das halbe Stadtviertel abfackelt, ist ein Szenario das jede Stadtverwaltung gerne vermeiden möchte. Für die Eltern gilt es als große Ehre, ein solches Kind dem Clan beigesteuert zu haben.

Zusammengehalten wird die gesamte Clanstruktur vom sogenannten Empathischen Netz und dem Visionär. Die Natur dieses Netzes zu verstehen, ist der Schlüssel zum Verständnis der Clans und Kasten. Das Empathische Netz wird auf den Folgeseiten ausführlich erklärt.

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